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Valerie Stahl von Stromberg was born in 1976 in Munich, Germany. She grew up in Cologne. After
attending school in Germany and England she went on to study at Central Saint Martins College
in London, graduating in 2000. In spring 2002 she was selected for the Festival International des Arts de la Mode a Hyeres.
Her work has also appeared in the following publications: Big,
Boilermag, Jetzt, Lab, Mined and Qvest.
Valerie Stahl von Stromberg currently lives and works in London.
Essay (English version):
Aus entgegengesetzten Richtungen biegen zwei Menschen um eine Strassenecke und stossen zusammen: zwei ältere Herren bei shopping, zwei junge Männer bei skating ebenso wie bei sleeping. In Statur und Alter unterschiedlich sehen sich bei jogging ebenfalls zwei Männer konfrontiert, zwei Kinder sind es bei dancing, ein Mann und eine Frau schließlich bei meeting. Allseits abgewandter Blick und sichtbares Unbehagen, eine beliebige alltägliche Strassenszene.
Die zufällig wirkenden Zusammenstösse jedoch sind unter der Regie von Valerie Stahl künstliche Konstrukte: Ort und Handlung sind von der Künstlerin erarbeitet und festgelegt, die Akteure - obschon ihr völlig unbekannte Personen - von Valerie Stahl erst kurz vor der eigentlichen Aufnahme ausgewählt und angesprochen, der Schnappschusscharakter und die damit in Verbindung stehende vermeintliche Spontaneität ein Trick, um das künstlerische Anliegen zu formulieren. Denn es geht Valerie Stahl in ihren hier vorgestellten Fotografien um das Ausloten des nur Bruchteile von Sekunden dauernden unfreiwilligen Zusammenstosses zweier Menschen und der durch den Zusammenstoss ausgelösten Empfindungen. Es sind die kaum wahrnehmbaren Gefühle in ihren gestischen und mimischen Manifestationen, die sich jeder Selbstkontrolle und -inszenierung widersetzen, denen das Interesse der Künstlerin gilt. Es ist genau dieser zwar reale, sich aber der sichtbaren Realität entziehende Moment, den Valerie Stahl in ihren Fotografien vor die Kamera holt und einfriert. Der fotografische Blick überträgt diesen subtilen Moment der Zeitlichkeit in Zeitlosigkeit, einen Moment, der sich in physischen Kleinstmerkmalen konkretisiert. Fragen nach Intimität, Individualität und nicht zuletzt Identität des Menschen werden aufgeworfen. In weiterer Hinsicht wird die Begegnung zweier Menschen zum Mikrokosmos gesellschaftlicher Ordnungen. Interaktion und Kommunikation sind gescheitert.
Unterstützt wird dieser Diskurs durch die Gesamtkomposition. Im bewußten Rückgriff auf die Tradition der Strassenfotografie wählt Valerie Stahl ein urbanes Umfeld, das sich durch seine architektonische Banalität und unspektakuläre Alltäglichkeit auszeichnet und somit frei ist für Besetzungen anderer Art. Hauswände und Fenster werden zu monochromen Farbflächen, die sich klar gegeneinander abgrenzen und in ihrer Bildhaftigkeit zur Folie für den ‚Zusammenstoss' werden. Auffällig ist die urbane Stille, die Abwesenheit anderer, zufällig vorbeikommender Passanten. Der Strassenverkehr ist völlig ausgeblendet, das Licht schattenfrei und seltsam trübe. Mit ihren formal reduzierten Elementen knüpft Valerie Stahl an künstlerische Strategien des Minimalismus an und läßt, durch die Ewigkeit des Augenblicks, Bilder von großer Nachdenklichkeit entstehen.
Ursula Truebenbach
December 2002
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